Wilde Mulde

Wilde Mulde

Wilde Mulde - Revitalisierung einer Wildflusslandschaft in Mitteldeutschland

Naturnahe Flüsse und ihre Auen sind Lebensräume von außergewöhnlicher Bedeutung für die Artenvielfalt, die Vernetzung von Lebensräumen und die Bereitstellung von Ökosystemleistungen auf verschiedenen Skalen. Auf Einzugsgebietsebene mildern sie Hochwasserereignisse, halten Sedimente und daran gebundene Nähr- und Schadstoffe zurück, auf lokaler Ebene stellen sie eine Vielfalt an Habitaten bereit und sind damit bedeutende hot spots der Biodiversität.

Projektgebiet und Revitalisierungsmaßnahmen

Das von BMUB und BMBF geförderte Verbundprojekt Wilde Mulde will in stadtnahen Abschnitten von der Mündung bei Dessau-Roßlau flussaufwärts bis Retzau die Untere Mulde revitalisieren und die Interaktionen des Flusses mit seinen angrenzenden Auen begünstigen. Dafür sind Maßnahmen wie das Einbringen von Raubäumen, die Wiederherstellung von Naturufern, die Anbindung eines Seitenarms sowie die initiale Entwicklung von Hartholzwäldern geplant.

Forschung und Maßnahmenevaluation

Der Forschungsteil vereint die Beantwortung von Forschungsfragen hinsichtlich der Sicherung und Wiederherstellung flussauentypischer Biodiversität und Ökosystemleistungen (ÖSL) sowie die Evaluierung der Umsetzungsmaßnahmen. Es wird davon ausgegangen, dass die Maßnahmen sich direkt über hydromorphologische Veränderungen und Sedimentumlagerung auf die Zusammensetzung der aquatischen und semiterrestrischen Biodiversität auswirken und ÖSL wie Nährstoff- und Sedimenthaushalt verändern werden.

Die Umsetzung der baulichen Maßnahmen werden vom WWF durchgeführt. Die Maßnahmenumsetzung wird wissenschaftlich von der Universität Leipzig, AG Spezielle Botanik und Funktionelle Biodiversität und fünf weiteren Forschungseinrichtungen begleitet (UFZ Department Naturschutzforschung (Koordination der Forschungspartner), UFZ Department Fließgewässerökologie, TU Braunschweig Leichtweiß-Institut für Wasserbau, HTW Dresden Fakultät Landwirtschaft/Umwelt/Chemie, Universität Hannover Institut für Umweltplanung).

Floristische Untersuchungen

Im Uferbereich und den Auen werden die floristische Diversität und die Struktur der krautigen Vegetation durch klassische Vegetationsaufnahmen, quantitative Messungen des Deckungsgrads und des Blattflächenindex sowie digitalfotografische Aufnahmen zur direkten Quantifizierung der strukturellen Diversität bestimmt.

Die Kartierung des Vegetationsmosaiks entlang der Ufer (Maßnahmen- und Referenzstandorte) wird auf fest eingemessenen Flächen durchgeführt. Diese Methode dient dazu unterschiedliche Pflanzengemeinschaften, Sukzessionsstadien und ihre Retentionskapazität für Sediment zeitlich und räumlich hochauflösend aufzunehmen. Von den erfassten semiterrestrischen und terrestrischen Pflanzengemeinschaften werden das Vorkommen ausgewählter Arten, ihre funktionellen Merkmale, sowie die floristische Zusammensetzung der Gemeinschaften und die Variation der floristischen und funktionellen Diversität zwischen verschiedenen Habitaten (d. h. sowohl alpha- als auch beta-Diversität) vor Beginn und nach Abschluss der Maßnahmendurchführung ermittelt und miteinander verglichen.

Desweiteren wird im Rahmes des Projektes die Sediment-Retentionskapazität von Auenvegetation experimentell untersucht. Angefangen bei Eigenschaften von Blattoberflächen bis zu Struktur eines Bestandes wird die Retentionskapazität in Strömungskanälen untersucht.

Wilde Mulde Projekt-Homepage

Ansprechpartner: Prof. Dr. Christian Wirth Dr. Carolin Seele Lena Kretz

Fotos: Versteintes Ufer (links) und natürliches Ufer (rechts).

letzte Änderung: 09.11.2018

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